Geh weg (II)

Es gibt Momente, in denen wir Abstand zu jemandem suchen, weil wir ihn nicht wollen.

Und es gibt Momente, in denen wir Abstand suchen, weil wir plötzlich merken:

„Ich passe hier nicht hin.“

Du stehst neben jemandem, der etwas außergewöhnlich gut kann, und plötzlich werden dir deine eigenen Grenzen bewusst. Oder jemand begegnet dir mit einer Ehrlichkeit und Reinheit, die dir auf einmal zeigt, wie es in deinem eigenen Herzen aussieht.

Manchmal wollen wir Abstand nicht, weil der andere schlecht ist – sondern weil seine Gegenwart etwas über uns sichtbar macht.

Genau das erlebte Petrus.

Jesus war in das Boot von Simon Petrus gestiegen und hatte zu den Menschen gesprochen. Danach wandte er sich direkt an Petrus:

„Fahre hinaus auf die Tiefe, und lasst eure Netze zu einem Fang hinunter!“
Lukas 5:4

Menschlich gesehen ergab das wenig Sinn.

Petrus war Fischer. Er kannte den See, die Netze und sein Handwerk. Und vor allem wusste er: Wir haben es bereits versucht.

Die ganze Nacht hatten sie gearbeitet – ohne Erfolg.

Deshalb antwortete Petrus:

„Meister, wir haben die ganze Nacht hindurch gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen!“
Lukas 5:5

Eigentlich sprach seine Erfahrung dagegen. Doch Petrus stellte das Wort Jesu über seine eigene Erfahrung.

Er vertraute.

„Auf dein Wort …“

Und er warf das Netz noch einmal aus.

Plötzlich war es so voller Fische, dass es zu reißen begann. Sie mussten andere Fischer zur Hilfe rufen, und schließlich waren beide Boote so voll, dass sie zu sinken drohten.

Und genau in diesem Moment erkannte Petrus: 

Hier steht mehr vor mir als nur ein außergewöhnlicher Mensch.

Er fiel Jesus zu Füßen:

„Herr, gehe von mir hinweg, denn ich bin ein sündiger Mensch!“
Lukas 5:8

Geh weg.

Schon wieder diese Worte.

Aber diesmal aus einem völlig anderen Herzen als in „Geh weg (I)“.

Dort wollten die Menschen Jesus loswerden, obwohl sie seine Macht gesehen hatten.

Hier will Petrus Abstand, gerade weil er etwas von Jesus erkannt hatte.

Vor ihm stand nicht einfach irgendein Mensch.

Petrus wurde von Furcht ergriffen.

Die Gegenwart Jesu ließ ihn gleichzeitig etwas über sich selbst erkennen:

„Ich bin ein Sünder.“

Je heller das Licht, desto deutlicher sieht man den Schmutz.

Petrus erkannte: Ich bin diesem Jesus nicht würdig.

Und eigentlich hätte Jesus sagen können:

„Du hast recht.“

Denn Jesus ist heilig.

Petrus war ein Sünder.

Aber Jesus ging nicht.

Das ist der gewaltige Unterschied.

Jesus sah ein Herz, das ihm bereits Vertrauen geschenkt hatte:

„Auf dein Wort …“

Und statt Petrus wegzustoßen, sprach Jesus:

„Fürchte dich nicht! Von nun an sollst du Menschen fangen!“
Lukas 5,10

Petrus sagt:

„Geh weg von mir.“

Jesus antwortet sinngemäß:

„Fürchte dich nicht. Ich habe etwas mit dir vor.“

Genau hier beginnt die frohe Botschaft sichtbar zu werden.

Denn vielleicht hast auch du schon erkannt, dass du vor einem heiligen Gott nicht bestehen kannst.

Und weißt du was?

Das ist keine schlechte Erkenntnis.

Schlimm wäre es, deine Schuld niemals zu erkennen.

Denn Jesus Christus kam gerade wegen Sündern.

Er kam nicht, weil wir würdig genug wären, ihm nahe zu sein.

Er kam, um uns durch sein eigenes Opfer nahe zu bringen.

Am Kreuz geschah das Unfassbare:

Der Heilige nahm die Schuld der Schuldigen auf sich.

Jesus wurde für unsere Sünden gerichtet, starb und stand von den Toten auf, damit Menschen, die eigentlich sagen müssten:

„Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder“

durch den Glauben hören dürfen:

„Fürchte dich nicht.“

Das Evangelium bedeutet nicht:

Mach dich erst würdig für Gott.

Sondern:

Jesus hat alles vollbracht, damit ein unwürdiger Sünder durch ihn Vergebung empfängt und Gott nahekommen darf.

Petrus erkannte seine Sünde und fiel Jesus zu Füßen.

Und Jesus ging nicht weg.

Wenn du heute erkennst, wer Jesus ist und wer du vor ihm bist, dann schick ihn nicht fort. Fall ihm im Glauben zu Füßen. Denn genau für Sünder wie dich und mich ist er gekommen.